Minister Jost, Mitarbeiter des Ministeriums und die berufenen Mitglieder der Tierversuchskommission auf dem Homburger Campus.
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Minister Jost ernennt Neumitglieder der Tierversuchskommission – Forschungspreis soll ab 2020 Alternativen fördern

Im Dekanat der Medizinischen Fakultät des Saarlandes in Homburg hat der für Tierschutz zuständige Minister, Reinhold Jost, die neuen Mitglieder der Tierversuchskommission verpflichtet.

248 Views 23.01.2019

Das Gremium aus Wissenschaftlern und Tierschützern berät die Genehmigungsbehörde, das Landesamt für Verbraucherschutz, und nimmt regelmäßig Stellung zu allen Anträgen auf Genehmigung eines Versuchsvorhabens mit Lebendtieren. „Die Kommission ist gut aufgestellt und für die anstehenden Aufgaben gerüstet. Die Stärkung des Tierschutzes ist unser zentrales Anliegen. Mehr Tierwohl in der Forschung kann nur gelingen, wenn wir den Dialog mit den Wissenschaftlern fortführen und die Entwicklung alternativer Forschungsmethoden im Versuchstierbereich weiter voranbringen. Um dies zu unterstützen werden wir im Jahr 2020 erstmals einen Forschungspreis für Alternativen zu Tierversuchen ausloben“, so der Minister.

 

Der Preis soll für innovative, zukunftsweisende wissenschaftliche Arbeiten ausgeschrieben werden, die einen Beitrag zur Entwicklung von Methoden und Verfahren leisten, durch die Tierversuche ersetzt oder eingeschränkt werden können. Er wird mit 10.000 Euro dotiert. „Dank des Einsatzes von Zellkulturen, Computersimulationen, In-vitro-Verfahren und anderen alternativen Forschungsmethoden können bereits heute zahlreiche wissenschaftliche Fragen beantwortet werden. Dennoch ist der Einsatz von Versuchstieren für wissenschaftliche Zwecke leider noch nicht unverzichtbar. Daher ist es unsere moralische Pflicht, die Belastungen für Versuchstiere zu reduzieren und auf Tierversuche, da wo es geht, zu verzichten“, so Jost.

 

Abschließend kündigte der Minister die Fortführung des im vergangenen Jahr gestarteten „Homburger Kolloquium“ an. Die vom Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz gemeinsam mit dem Tierschutz-Ausschuss der Universität des Saarlandes initiierte Veranstaltungsreihe beschäftigt sich mit aktuellen versuchstierkundlichen und tierschutzrelevanten Themen.

 

Hintergrund:

Die Tierversuchskommission des Saarlandes besteht aus sechs Mitgliedern. Sie setzt sich zu zwei Dritteln zusammen aus Vertretern der Veterinärmedizin, Medizin und Naturwissenschaft sowie zu einem weiteren Drittel aus Vertretern der Tierschutzorganisationen. Die Mitglieder werden für die Dauer von drei Jahren berufen. 

 

Gemäß der Richtlinie 2010/63/EU zum Schutz der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere unterliegen Tierversuche dem Grundsatz der Vermeidung, Verminderung und Verbesserung. Sie dürfen nur dann durchgeführt werden, wenn entsprechende Methoden zum Ersatz oder zur Einschränkung von Tierversuchen nicht vorhanden sind. Das für Tierschutz zuständige Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz ist bestrebt, Alternativmethoden zu fördern und zu fordern, um die Anzahl der Versuche an Lebendtieren zu reduzieren. Grundlage hierfür sind Methoden, die sich an dem so genannten 3R-Prinzip orientieren: Replacement, Reduction and Refinement. Durch "Replacement" sollen Versuche an lebenden Tieren durch andere Methoden wie zum Beispiel In-vitro-Techniken oder Computersimulationen ersetzt werden. "Reduction" steht für eine Verringerung der für einen Versuch erforderlichen Tierzahlen. Mit "Refinement" soll eine Verminderung der Belastung der Tiere, zum Beispiel durch verbesserte Haltungsbedingungen und Narkoseverfahren, erreicht werden.

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