Einsatzkräfte der Feuerwehr in Kleinblittersdorf
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Besserer Schutz vor Starkregen: Behörden und Kommunen wollen noch stärker auf Zusammenarbeit und Vorsorge setzen

Zusammenarbeit, Information und Vorsorge – das sind kurz gefasst die zentralen Aufgaben, die alle Konferenzteilnehmer zukünftig noch stärker in den Blick nehmen möchten. Das Ziel: Sich besser vorbereiten auf künftige Starkregenereignisse und deren Folgen.

41 Views 06.11.2018

Mehr als 100 Teilnehmer aus den Kommunen, den Landkreisen, den Fachbehörden  sowie  dem  Brand- und Katastrophenschutz trafen sich auf Einladung des Umwelt- und des Innenministeriums, um gemeinsam den Umgang mit den Starkregenereignissen des Frühsommers zu analysieren und daraus gemeinsames Verbesserungspotential herzuleiten.

 

Eine meteorologische und hydrologische Auswertung der Starkregenereignisse von Mai und Juni dieses Jahres durch das Landesamt für Umwelt und Verbraucherschutz zeigt die extreme Höhe der Niederschläge und die davon betroffenen, lokal eng begrenzten Bereiche. Schwerpunkt der Ereignisse war, infolge einer stationären Gewitterzelle, besonders der Südosten des Saarlandes. Dort wurden an  einigen kleineren Gewässern  die höchsten Wasserstände seit Beginn der Pegelaufzeichnungen registriert, die sehr plötzlich auftraten und schnell wieder abnahmen, wie es für Starkregen typisch ist. Die Wassermassen lagen weit außerhalb der Niederschlagsmengen, für die unsere Kanalsysteme bemessen werden können.

Umweltminister Reinhold Jost würdigte bei der Begrüßung insbesondere den großen Einsatz und die pragmatische Hilfe und Zusammenarbeit der Kräfte der Gefahrenabwehr bei den zurückliegenden Ereignissen.

„In Anbetracht der Unvorhersehbarkeit und des Ausmaßes zukünftig zu erwartender Ereignisse sind die gemeinsame Umsetzung von Vorsorgemaßnahmen und der Mehrklang verschiedener Handlungsansätze von entscheidender Bedeutung“, so Jost. Der Minister wies dabei auf die Bedeutung der Hochwassergefahren- und Starkregenkarten des Ministeriums als wichtige Informationsgrundlage für das Handeln bei Vorsorge und Gefahrenabwehr hin. Zudem merkte er an, dass in festgesetzten Überschwemmungsgebieten bei manchen Betroffenen leider das Bewusstsein für die Notwendigkeit der Maßnahmen fehle. Er appellierte an die Bürger, die Ausweisung von Überschwemmungsgebieten als Schutz wahrzunehmen und nicht als Belastung zu verstehen.

 

Fachleute des Innenministeriums wiesen darauf hin, dass das Saarland über ein leistungsfähiges und zuverlässiges Gefahrenabwehrsystem verfügt, das im Wesentlichen durch ehrenamtlich tätige Menschen getragen wird. Die Folgen der Starkregenereignisse hatten die kommunalen Feuerwehren, das Technische Hilfswerk, die Hilfsorganisationen und die Polizei vor enorme Herausforderungen gestellt. Die Unwetterlage führte zu erheblichen Beeinträchtigungen der Verkehrsinfrastruktur durch Überflutungen, Unterspülungen und Erdrutsche, Verunreinigungen durch Schlamm- und Geröllmassen aufgrund von Sturzbächen sowie Schäden an und in Gebäuden, insbesondere durch Wassereintritte. So galt es, mehr als 2500 Einsätze der unterschiedlichsten Art abzuarbeiten. „Problematisch ist diese Situation für die Hilfskräfte aus zwei Gründen. Zum einen erreichen die Leitstellen innerhalb einer sehr kurzen Zeit eine sehr hohe Anzahl von Notrufen, zum anderen gestaltet sich die Abarbeitung der Einsatzstellen oftmals sehr schwierig und zeitaufwändig“, so Innenminister Klaus Bouillon. Trotz dieser enormen Herausforderungen hätten die Einsatzkräfte eine großartige Arbeit geleistet, teils unter Vernachlässigung der eigenen Betroffenheit.

 

Um landesweit einen Überblick über Schwächen und  Stärken bei der Bewältigung  der Ereignisse im Frühsommer zu erhalten, stellte das Evaluationsbüro CEval eine durch das Umweltministerium beauftragte Stärken-Schwächen-Analyse vor. Die Befragung von 9 betroffenen Kommunen und einer Vielzahl von Akteuren zeigte hier unter anderem, dass viele Bürger vollkommen unvorbereitet getroffen wurden und auch nicht gegen Schäden durch Starkregen versichert waren.

Der Nutzen von Starkregengefahrenkarten als Basis für die Risikokommunikation und eine Schwerpunktsetzung weg von der Reaktion hin zur Vorsorge wurde herausgestellt. Die Gefahrenkarten mit ihrer Darstellung von Abflusswegen und Risikobereichen werden als wichtige Grundlage für kommunale und auch private Bauplanungen angesehen.

 

Aus den Interviews wurde die Erkenntnis gewonnen, dass sich die überörtliche Zusammenarbeit bei der Gefahrenabwehr durch die Konzeption von speziellen Einsatzzügen auf Kreisebene bewährt hat. Nur durch entsprechende Vorplanungen lassen sich die enormen Herausforderungen bewältigen. Die Zusammenarbeit mit dem THW wurde von den Feuerwehren als sehr positiv bewertet. Diese Zusammenarbeit soll auch in Zukunft weitergeführt und intensiviert werden.

 

Die Gutachter appellierten insbesondere an die Kommunen, die bisher von Starkregen verschont waren, das eigene Gefahrenpotential zu analysieren und die Bürger zu informieren und zu sensibilisieren, damit diese ihre eigene Betroffenheit abschätzen und ggf. Maßnahmen zur Vorsorge ergreifen können.

 

Experten des Umweltministeriums legten den Kommunen darüber hinaus ans Herz, sich an den Hochwasserpartnerschaften als Austausch- und Informationsplattform zu beteiligen. Über regelmäßige Veranstaltungen in den Einzugsgebieten der Flüsse besteht hier ein gemeinsames Forum, das die Akteure des Hochwasserrisikomanagements aller Ebenen und Ressorts zusammenbringt und über den gegenseitigen Erfahrungsaustausch und die Information die Keimzelle gemeinsamer Projekte bildet.

 

Umweltminister Jost hofft, dass die Impulse, die in dieser Konferenz  gesetzt  wurden, nun als Grundlage für die Weiterentwicklung eigener Ideen und als Ansporn für eine noch bessere zukünftige Zusammenarbeit dienen können. „Insofern stellt diese Konferenz nicht den Abschluss der Auswertung der vergangenen Flutkatastrophen dar, sondern markiert vielmehr den Auftakt zur Vorbereitung auf zukünftige Herausforderungen.“